„Wann haben Sie das letzte Mal über Ihre Führung nachgedacht?“
Diese Frage stelle ich oft in Coachings. Und meistens kommt als Antwort:
„Ständig. Ich mache mir andauernd Gedanken.“
Dann frage ich nach: „Worüber genau?“
Und dann wird es konkret:
„Ob ich alles richtig gemacht habe. Ob mein Team zufrieden ist. Ob ich hätte klarer sein sollen. Ob ich zu viel oder zu wenig gemacht habe.“
Das ist keine Reflexion. Das ist Grübeln.
Und das ist ein riesiger Unterschied.
Was Reflexion ist – und was nicht
Grübeln dreht sich im Kreis. Es stellt immer wieder die gleichen Fragen, ohne Antworten zu finden. Es erzeugt Unsicherheit statt Klarheit. Reflexion dagegen ist strukturiert. Sie schaut zurück, um nach vorne zu blicken. Sie fragt nicht nur: „Habe ich es richtig gemacht?“, sondern: „Was kann ich daraus lernen?“
Reflexion ist ein Führungsinstrument. Eines der wirksamsten, das Sie haben. Denn: Sie können nur führen, wenn Sie sich selbst kennen. Ihre Muster. Ihre Reaktionen. Ihre blinden Flecken. Und die erkennen Sie nicht, indem Sie immer weitermachen. Sondern indem Sie innehalten.
Warum Reflexion in der Führung so wichtig ist
Führung ist komplex. Sie jonglieren mit Menschen, Strukturen, Erwartungen und eigenen Ansprüchen.
Dabei passiert es schnell, dass Sie in Automatismen verfallen: Sie reagieren, wie Sie es immer tun. Sie treffen Entscheidungen, wie Sie sie immer treffen. Sie kommunizieren, wie Sie es gewohnt sind. Das ist nicht automatisch schlecht. Aber es ist auch nicht automatisch gut. Ohne Reflexion wissen Sie nicht, ob Ihre Führung wirkt – oder ob Sie nur funktionieren.
Reflexion hilft Ihnen:
✔️ Muster zu erkennen: Was mache ich immer wieder – und funktioniert es?
✔️ Wirkung zu verstehen: Wie kommt mein Verhalten bei anderen an?
✔️ Entscheidungen zu verbessern: Was hätte ich anders machen können?
✔️ Klarheit zu gewinnen: Was ist eigentlich mein Ziel in dieser Situation?
Und das Beste: Reflexion kostet keine Ressourcen. Nur Zeit. Und die müssen Sie sich nehmen.
Das Problem: Reflexion wird oft vergessen
„Ich habe keine Zeit dafür.“ Das ist der häufigste Einwand, wenn es um Reflexion geht. Und ich verstehe das. Ihr Kalender ist voll. Es gibt immer noch eine E-Mail, ein Meeting, eine Entscheidung. Aber: Wenn Sie sich keine Zeit für Reflexion nehmen, laufen Sie Gefahr, in die immer gleichen Fallen zu tappen. Sie wiederholen Fehler. Sie übersehen Signale. Sie treffen Entscheidungen, die Sie später bereuen.
Reflexion ist keine verlorene Zeit. Sie ist eine Investition.
5 Fragen für Ihre Reflexion
Gönnen Sie sich doch mal eine halbe Stunde für diese Fragen:
Frage 1: Was hat diese Woche gut funktioniert – und warum?
Führungskräfte neigen dazu, sich auf Probleme zu konzentrieren. Was schiefgelaufen ist, was noch nicht klappt, was verbessert werden muss. Aber: Sie lernen genauso viel aus dem, was gut läuft.
Warum diese Frage wichtig ist:
Sie hilft Ihnen, Ihre Stärken zu erkennen. Und sie zeigt Ihnen, welche Ihrer Entscheidungen wirken.
Wie Sie sie beantworten:
Überlegen Sie: Was lief diese Woche besser als erwartet? Was hat mein Team gut hinbekommen? Was habe ich selbst gut gemacht?
Und dann: Warum war das so?
Ein Beispiel:
„Das Teammeeting war diese Woche richtig gut. Alle haben mitgemacht, wir sind zu klaren Ergebnissen gekommen.“
Warum?
„Weil ich die Agenda vorher verschickt habe. Und weil ich klar gesagt habe, was ich mir von dem Meeting erwarte.“
Das zeigt: Vorbereitung wirkt. Klarheit wirkt.
Frage 2: Was hat mich diese Woche gestresst – und was davon lag in meinem Einflussbereich?
Stress gehört zur Führung dazu. Aber nicht jeder Stress ist gleich. Manche Dinge können Sie beeinflussen. Andere nicht.
Warum diese Frage wichtig ist:
Sie hilft Ihnen, Ihre Energie klug einzusetzen. Statt gegen Dinge anzukämpfen, die Sie nicht ändern können, konzentrieren Sie sich auf das, was in Ihrer Hand liegt.
Wie Sie sie beantworten:
Schreiben Sie auf: Was hat mich diese Woche belastet?
Dann markieren Sie:
🟢 Grün = Ich kann das beeinflussen
🔴 Rot = Das liegt außerhalb meines Einflussbereichs
Ein Beispiel:
„Mich hat gestresst, dass die IT-Umstellung schon wieder verschoben wurde.“ → Rot
„Mich hat gestresst, dass ich nicht klar kommuniziert habe, was ich von meinem Team brauche.“ → Grün
Bei Rot: Akzeptieren. Vielleicht ansprechen, aber nicht persönlich verantwortlich fühlen.
Bei Grün: Anpacken. Was kann ich nächste Woche anders machen?
Frage 3: Wo habe ich diese Woche nach meinen Werten gehandelt – und wo nicht?
Führung ist nicht nur Handwerk. Sie ist auch Haltung. Viele Führungskräfte haben Werte – Fairness, Klarheit, Respekt, Verlässlichkeit. Aber im hektischen Alltag geraten sie manchmal in den Hintergrund.
Warum diese Frage wichtig ist:
Sie erinnert Sie daran, wofür Sie stehen. Und sie zeigt, wo eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist.
Wie Sie sie beantworten:
Überlegen Sie: Was ist mir in meiner Führung wichtig?
Dann fragen Sie sich: Gab es diese Woche eine Situation, in der ich nach diesen Werten gehandelt habe? Und gab es eine, in der ich es nicht getan habe?
Ein Beispiel:
„Mir ist Transparenz wichtig. Diese Woche habe ich meinem Team offen gesagt, dass wir nicht alle Projekte schaffen werden.“ → Wert gelebt
„Aber ich habe eine Entscheidung getroffen, ohne das Team einzubeziehen – obwohl es sie betrifft.“ → Wert nicht gelebt
Das Ziel ist nicht Perfektion. Das Ziel ist Bewusstsein.
Frage 4: Welches Gespräch hätte ich führen sollen – und warum habe ich es nicht getan?
Es gibt Gespräche, die Sie vermeiden. Nicht bewusst. Aber Sie schieben sie auf. Aus verschiedenen Gründen. Weil Sie keine Zeit haben. Weil es unangenehm ist. Weil Sie nicht wissen, wie Sie es ansprechen sollen.
Warum diese Frage wichtig ist:
Oft sind es genau diese ungeführten Gespräche, die später zu größeren Problemen werden.
Wie Sie sie beantworten:
Fragen Sie sich: Gab es diese Woche jemanden, mit dem ich hätte reden sollen?
Vielleicht eine Kollegin, deren Leistung nachgelassen hat.
Vielleicht ein Teammitglied, das Unterstützung braucht.
Vielleicht Ihre eigene Führungskraft, von der Sie Klarheit brauchen.
Und dann: Warum habe ich es nicht getan?
Ein Beispiel:
„Ich hätte mit Frau Müller über ihre ständigen Verspätungen sprechen sollen. Aber ich dachte: Vielleicht regelt sich das von selbst.“
Wahrscheinlich wird es das nicht. Also: nächste Woche das Gespräch führen.
Frage 5: Was will ich nächste Woche anders machen?
Reflexion ohne Konsequenz ist wertlos.
Es reicht nicht, nur zu erkennen, was schiefgelaufen ist. Sie müssen auch entscheiden: Was mache ich jetzt damit?
Warum diese Frage wichtig ist:
Sie verwandelt Reflexion in Handlung. Sie sorgt dafür, dass Sie nicht immer wieder die gleichen Fehler machen.
Wie Sie sie beantworten:
Basierend auf den vorherigen Fragen: Was nehme ich mir für nächste Woche vor?
Wichtig: Seien Sie konkret. Nicht: „Ich will besser kommunizieren.“ Sondern: „Ich schicke am Montag die Agenda für das Teammeeting.“
Ein Beispiel:
„Nächste Woche spreche ich das Feedback-Gespräch mit Herrn Schmidt an, das ich diese Woche verschoben habe.“
„Ich nehme mir Mittwoch eine Stunde Zeit, um in Ruhe über die Prioritäten für Q2 nachzudenken.“
Wie Sie Reflexion zur Gewohnheit machen
„Das klingt gut. Aber wie fange ich an?“
Blocken Sie die Zeit
Tragen Sie sich die Reflexionszeit in den Kalender ein. Wie ein Meeting. Nur mit sich selbst.t.
Schreiben Sie es auf
Reflexion wirkt stärker, wenn Sie sie aufschreiben. Sie müssen keine Romane schreiben – Stichworte reichen. Ein Notizbuch. Eine Datei. Egal. Hauptsache, Sie halten es fest.
Machen Sie es nicht perfekt
Sie müssen nicht jede Woche alle Fragen beantworten. Manchmal reicht eine. Und manchmal reicht auch: „Diese Woche war chaotisch. Ich weiß nicht, was ich daraus lernen soll.“
Auch das ist Reflexion.
Seien Sie ehrlich zu sich selbst
Reflexion funktioniert nur, wenn Sie sich nichts vormachen. Niemand schaut zu. Sie können zugeben, wenn etwas schiefgelaufen ist. Wenn Sie überfordert waren. Wenn Sie einen Fehler gemacht haben. Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke.
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