Teamcoaching: Woran merke ich, dass wirklich etwas passiert ist?

Das klingt erst mal merkwürdig. Vielleicht sogar arrogant.

In Teamcoachings ist es nicht meine Aufgabe, dass alle eine gute Zeit haben. Meine Aufgabe ist, Muster sichtbar zu machen – und sie zu stören. Muster in der Kommunikation, in der Zusammenarbeit, in dem, was immer gesagt wird und dem, was nie gesagt wird. Diese Muster haben meistens einen Grund. Sie sind entstanden, weil sie irgendwann funktioniert haben oder weil sie zumindest sicherer waren als die Alternative. Sie aufzuzeigen ist unangenehm. Sie zu unterbrechen noch mehr.

Widerstand ist deshalb kein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft. Er ist ein Zeichen dafür, dass etwas passiert.

Wenn ein Team am Ende eines Coachings sagt: „Das war angenehm, wir haben viel gelernt, Sie sind eine tolle Moderatorin“ – dann freue ich mich darüber. Wirklich. Aber ich frage mich gleichzeitig: Haben wir die richtigen Themen angefasst? Oder haben wir uns gemeinsam um sie herumgearbeitet, weil es bequemer war?

Das ist keine Selbstkritik um der Selbstkritik willen. Es ist eine ernsthafte Frage, die ich mir nach jedem Format stelle. Denn ein Team, das in alten Mustern feststeckt, ist meistens nicht bösartig und nicht faul. Es ist eingespielt. Und eingespielt bedeutet: Die Störung muss groß genug sein, um wirklich etwas zu bewegen – aber nicht so groß, dass das System sich einfach schließt.

Diese Dosierung ist das eigentliche Handwerk. Nicht die Methode.

Was mich also wirklich zufrieden macht nach einem Teamcoaching: Nicht dass alle mitmachen. Sondern dass mindestens eine Person im Raum einen Moment hatte, in dem sie gedacht hat – vielleicht kurz, vielleicht unwillig: So habe ich das noch nicht gesehen.

Das ist keine Garantie für Veränderung. Aber es ist ein Anfang. Und ehrlich gesagt der einzige, der zählt.

Selbstreflexion für Führungskräfte: 5 Fragen für wirksame Führung

„Wann haben Sie das letzte Mal über Ihre Führung nachgedacht?“

Diese Frage stelle ich oft in Coachings. Und meistens kommt als Antwort:

„Ständig. Ich mache mir andauernd Gedanken.“

Dann frage ich nach: „Worüber genau?“

Und dann wird es konkret:
„Ob ich alles richtig gemacht habe. Ob mein Team zufrieden ist. Ob ich hätte klarer sein sollen. Ob ich zu viel oder zu wenig gemacht habe.“

Das ist keine Reflexion. Das ist Grübeln.

Und das ist ein riesiger Unterschied.


Was Reflexion ist – und was nicht

Grübeln dreht sich im Kreis. Es stellt immer wieder die gleichen Fragen, ohne Antworten zu finden. Es erzeugt Unsicherheit statt Klarheit. Reflexion dagegen ist strukturiert. Sie schaut zurück, um nach vorne zu blicken. Sie fragt nicht nur: „Habe ich es richtig gemacht?“, sondern: „Was kann ich daraus lernen?“

Reflexion ist ein Führungsinstrument. Eines der wirksamsten, das Sie haben. Denn: Sie können nur führen, wenn Sie sich selbst kennen. Ihre Muster. Ihre Reaktionen. Ihre blinden Flecken. Und die erkennen Sie nicht, indem Sie immer weitermachen. Sondern indem Sie innehalten.


Warum Reflexion in der Führung so wichtig ist

Führung ist komplex. Sie jonglieren mit Menschen, Strukturen, Erwartungen und eigenen Ansprüchen.

Dabei passiert es schnell, dass Sie in Automatismen verfallen: Sie reagieren, wie Sie es immer tun. Sie treffen Entscheidungen, wie Sie sie immer treffen. Sie kommunizieren, wie Sie es gewohnt sind. Das ist nicht automatisch schlecht. Aber es ist auch nicht automatisch gut. Ohne Reflexion wissen Sie nicht, ob Ihre Führung wirkt – oder ob Sie nur funktionieren.

Reflexion hilft Ihnen:

✔️ Muster zu erkennen: Was mache ich immer wieder – und funktioniert es?
✔️ Wirkung zu verstehen: Wie kommt mein Verhalten bei anderen an?
✔️ Entscheidungen zu verbessern: Was hätte ich anders machen können?
✔️ Klarheit zu gewinnen: Was ist eigentlich mein Ziel in dieser Situation?

Und das Beste: Reflexion kostet keine Ressourcen. Nur Zeit. Und die müssen Sie sich nehmen.


Das Problem: Reflexion wird oft vergessen

„Ich habe keine Zeit dafür.“ Das ist der häufigste Einwand, wenn es um Reflexion geht. Und ich verstehe das. Ihr Kalender ist voll. Es gibt immer noch eine E-Mail, ein Meeting, eine Entscheidung. Aber: Wenn Sie sich keine Zeit für Reflexion nehmen, laufen Sie Gefahr, in die immer gleichen Fallen zu tappen. Sie wiederholen Fehler. Sie übersehen Signale. Sie treffen Entscheidungen, die Sie später bereuen.

Reflexion ist keine verlorene Zeit. Sie ist eine Investition.


5 Fragen für Ihre Reflexion

Gönnen Sie sich doch mal eine halbe Stunde für diese Fragen:


Frage 1: Was hat diese Woche gut funktioniert – und warum?

Führungskräfte neigen dazu, sich auf Probleme zu konzentrieren. Was schiefgelaufen ist, was noch nicht klappt, was verbessert werden muss. Aber: Sie lernen genauso viel aus dem, was gut läuft.

Warum diese Frage wichtig ist:
Sie hilft Ihnen, Ihre Stärken zu erkennen. Und sie zeigt Ihnen, welche Ihrer Entscheidungen wirken.

Wie Sie sie beantworten:
Überlegen Sie: Was lief diese Woche besser als erwartet? Was hat mein Team gut hinbekommen? Was habe ich selbst gut gemacht?

Und dann: Warum war das so?

Ein Beispiel:
„Das Teammeeting war diese Woche richtig gut. Alle haben mitgemacht, wir sind zu klaren Ergebnissen gekommen.“

Warum?
„Weil ich die Agenda vorher verschickt habe. Und weil ich klar gesagt habe, was ich mir von dem Meeting erwarte.“

Das zeigt: Vorbereitung wirkt. Klarheit wirkt.


Frage 2: Was hat mich diese Woche gestresst – und was davon lag in meinem Einflussbereich?

Stress gehört zur Führung dazu. Aber nicht jeder Stress ist gleich. Manche Dinge können Sie beeinflussen. Andere nicht.

Warum diese Frage wichtig ist:
Sie hilft Ihnen, Ihre Energie klug einzusetzen. Statt gegen Dinge anzukämpfen, die Sie nicht ändern können, konzentrieren Sie sich auf das, was in Ihrer Hand liegt.

Wie Sie sie beantworten:
Schreiben Sie auf: Was hat mich diese Woche belastet?

Dann markieren Sie:
🟢 Grün = Ich kann das beeinflussen
🔴 Rot = Das liegt außerhalb meines Einflussbereichs

Ein Beispiel:
„Mich hat gestresst, dass die IT-Umstellung schon wieder verschoben wurde.“ → Rot
„Mich hat gestresst, dass ich nicht klar kommuniziert habe, was ich von meinem Team brauche.“ → Grün

Bei Rot: Akzeptieren. Vielleicht ansprechen, aber nicht persönlich verantwortlich fühlen.
Bei Grün: Anpacken. Was kann ich nächste Woche anders machen?


Frage 3: Wo habe ich diese Woche nach meinen Werten gehandelt – und wo nicht?

Führung ist nicht nur Handwerk. Sie ist auch Haltung. Viele Führungskräfte haben Werte – Fairness, Klarheit, Respekt, Verlässlichkeit. Aber im hektischen Alltag geraten sie manchmal in den Hintergrund.

Warum diese Frage wichtig ist:
Sie erinnert Sie daran, wofür Sie stehen. Und sie zeigt, wo eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist.

Wie Sie sie beantworten:
Überlegen Sie: Was ist mir in meiner Führung wichtig?

Dann fragen Sie sich: Gab es diese Woche eine Situation, in der ich nach diesen Werten gehandelt habe? Und gab es eine, in der ich es nicht getan habe?

Ein Beispiel:
„Mir ist Transparenz wichtig. Diese Woche habe ich meinem Team offen gesagt, dass wir nicht alle Projekte schaffen werden.“ → Wert gelebt

„Aber ich habe eine Entscheidung getroffen, ohne das Team einzubeziehen – obwohl es sie betrifft.“ → Wert nicht gelebt

Das Ziel ist nicht Perfektion. Das Ziel ist Bewusstsein.


Frage 4: Welches Gespräch hätte ich führen sollen – und warum habe ich es nicht getan?

Es gibt Gespräche, die Sie vermeiden. Nicht bewusst. Aber Sie schieben sie auf. Aus verschiedenen Gründen. Weil Sie keine Zeit haben. Weil es unangenehm ist. Weil Sie nicht wissen, wie Sie es ansprechen sollen.

Warum diese Frage wichtig ist:
Oft sind es genau diese ungeführten Gespräche, die später zu größeren Problemen werden.

Wie Sie sie beantworten:
Fragen Sie sich: Gab es diese Woche jemanden, mit dem ich hätte reden sollen?

Vielleicht eine Kollegin, deren Leistung nachgelassen hat.
Vielleicht ein Teammitglied, das Unterstützung braucht.
Vielleicht Ihre eigene Führungskraft, von der Sie Klarheit brauchen.

Und dann: Warum habe ich es nicht getan?

Ein Beispiel:
„Ich hätte mit Frau Müller über ihre ständigen Verspätungen sprechen sollen. Aber ich dachte: Vielleicht regelt sich das von selbst.“

Wahrscheinlich wird es das nicht. Also: nächste Woche das Gespräch führen.


Frage 5: Was will ich nächste Woche anders machen?

Reflexion ohne Konsequenz ist wertlos.

Es reicht nicht, nur zu erkennen, was schiefgelaufen ist. Sie müssen auch entscheiden: Was mache ich jetzt damit?

Warum diese Frage wichtig ist:
Sie verwandelt Reflexion in Handlung. Sie sorgt dafür, dass Sie nicht immer wieder die gleichen Fehler machen.

Wie Sie sie beantworten:
Basierend auf den vorherigen Fragen: Was nehme ich mir für nächste Woche vor?

Wichtig: Seien Sie konkret. Nicht: „Ich will besser kommunizieren.“ Sondern: „Ich schicke am Montag die Agenda für das Teammeeting.“

Ein Beispiel:
„Nächste Woche spreche ich das Feedback-Gespräch mit Herrn Schmidt an, das ich diese Woche verschoben habe.“
„Ich nehme mir Mittwoch eine Stunde Zeit, um in Ruhe über die Prioritäten für Q2 nachzudenken.“

Wie Sie Reflexion zur Gewohnheit machen

„Das klingt gut. Aber wie fange ich an?“

Blocken Sie die Zeit

Tragen Sie sich die Reflexionszeit in den Kalender ein. Wie ein Meeting. Nur mit sich selbst.t.

Schreiben Sie es auf

Reflexion wirkt stärker, wenn Sie sie aufschreiben. Sie müssen keine Romane schreiben – Stichworte reichen. Ein Notizbuch. Eine Datei. Egal. Hauptsache, Sie halten es fest.

Machen Sie es nicht perfekt

Sie müssen nicht jede Woche alle Fragen beantworten. Manchmal reicht eine. Und manchmal reicht auch: „Diese Woche war chaotisch. Ich weiß nicht, was ich daraus lernen soll.“

Auch das ist Reflexion.

Seien Sie ehrlich zu sich selbst

Reflexion funktioniert nur, wenn Sie sich nichts vormachen. Niemand schaut zu. Sie können zugeben, wenn etwas schiefgelaufen ist. Wenn Sie überfordert waren. Wenn Sie einen Fehler gemacht haben. Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke.


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Perspektivwechsel statt Schubladendenken: Eine Übung, die Konflikte verändert

Egal ob im Verhandlungs- oder Argumentationstraining – wer schon einmal bei mir im Training war, weiß:
Der Perspektivwechsel ist mein persönliches Lieblingswerkzeug, um in schwierigen Situationen weiterzukommen.

Ich bin überzeugt: Wenn ich die Herangehensweise meines Gegenübers verstehe, entstehen neue Möglichkeiten. Neue Lösungen. Andere Diskussionen.

Intellektuell wissen wir das alle, aber praktizieren wir das auch im echten Konfliktfall?

Um genau das zu üben, führe ich fast in jedem Training folgende Übung durch:

👥 Die Teilnehmenden arbeiten in Kleingruppen (max. 5 Personen).
Sie erhalten eine Verhaltensweise, z. B.: „Herr Müller kommt häufig zu spät zum Teammeeting.“
Ihre Aufgabe: Finden Sie 10 gute Gründe für dieses Verhalten.

Die „Standardantworten“
👉 Herr Müller bringt morgens die Kinder in den Kindergarten. Das läuft nicht immer so wie zeitlich geplant.
👉 Er pflegt einen Angehörigen und wartet auf das Pflegepersonal.

Diese Übung lohnt sich aber auch für diese realen Perlen, auf die ich nie selbst gekommen wäre:
👉 Herr Müller fühlt sich im Team nicht wohl und kommt lieber später, um Small Talk zu vermeiden.“
👉 Herr Müller sitzt im Rollstuhl und ist auf einen unzuverlässigen Aufzug angewiesen.

Mein Test für einen „guten Grund“ lautet:
Was ändert sich, wenn Sie das hören? Können Sie damit anders umgehen?

Mir haben auch schon Teilnehmende glaubhaft versichert, dass sie mit „Herr Müller ist einfach so, er ist faul und hat es einfach nicht gelernt“ entspannt leben können.
Das sind in der Regel Personen, für die dieser Fall hypothetisch ist und die keinen eigenen Herrn Müller vor Augen haben, wenn sie mit diesem Beispiel arbeiten.

📌 Meine Beobachtung:
Je realer die Situation, desto schwieriger fällt es, wirkliche Gründe zu finden.
Hier hilft die Kleingruppe.

Sie sind dran:

Hypothesen bilden Training

Kollegiale Beratung – oder: Warum gute Fragen besser sind als gute Ratschläge

Ich begleite (angehende) Führungskräfte regelmäßig in einem Format, dass sich kollegiale Beratung nennt.
Das Ziel der Veranstaltung ist, dass sich die Führungskräfte zum einen zu Themen gegenseitig beraten, die sie gerade so umtreiben.
Ein weiteres Ziel ist, dass sie sich danach auch ohne mich treffen und das Format für sich nutzen.

Das Format „Kollegiale Beratung“ können Sie schnell googlen und auch umsetzen. Viel wichtiger ist – wie immer
😜- die Haltung. Deswegen nutze ich immer die erste Hälfte des Tages, um meinen Teilnehmenden genau diese zu vermitteln.

Kollegiale Beratung

Dazu gehören die 4 Schlüssel oder Erfolgsfaktoren für kollegiale Beratung:

💙 Fragen vor Antworten: Was weiß ich noch nicht?
💚 Beobachten vor Bewerten: Was sehe ich wirklich – jenseits meiner Meinung?
💛 Perspektivwechsel vor Standpunkt: Welche Sichtweisen gibt es noch?
🧡 Selbstreflexion vor Fremdkritik: Welchen Anteil habe ich an der Situation?

Falls Sie kollegiale Beratungen in Ihrer Organisation etablieren wollen, melden Sie sich bei mir!

Führung im Dauerstress: Wie der Circle of Concern hilft, wieder handlungsfähig zu werden

„Ich weiß gar nicht mehr, wo ich anfangen soll – Personalmangel, Dauerstress, unklare Prozesse, Konflikte im Team … ich komme einfach nicht mehr hinterher.“

Kennen Sie das Gefühl?
Wenn die To-do-Liste wächst, der Handlungsspielraum schrumpft und man nur noch reagiert, statt zu führen?

Genau hier setzt der Circle of Concern an.
Denn wer seine Energie dorthin lenkt, wo er oder sie wirklich Einfluss hat, gewinnt wieder Handlungsfähigkeit.

  • Was liegt in meinem Einflussbereich?
  • Was liegt nicht in meinem Einflussbereich?

Nicht jedes Teamproblem ist ein Führungsproblem.
Aber ohne klare Führung wird jedes Problem größer.

Darum beginne ich in meinem Buch „Raus aus dem Methodendschungel – Teamentwicklung mit Plan“ übrigens auch mit der Frage:
👉 Wie klar bin ich mir über mein Selbstverständnis als Führungskraft?

➡️ Wo erleben Sie aktuell den größten Unterschied zwischen dem, was Sie beeinflussen können und dem, was Sie nur akzeptieren können?

Jahresstart im Team: Zwei Fragen, die mehr bringen als gute Vorsätze

Und wie lauten Ihre Vorsätze fürs Jahr 2026?

Ich mag Vorsätze nicht.
Wenn ich wirklich was ändern will, dann brauche ich dafür kein Startdatum. Habe ich zumindest irgendwo gelesen.

Meine ehrliche Antwort: Ich mag Vorsätze nicht, weil ich mich am Ende des Jahres nicht an irgendwelchen Dingen messen lassen will, die ich vor 12 Monaten mal wichtig fand. Ja, ich tue mich schwer, mich festzulegen.

Aber ich habe ein Ritual, dass ich jetzt schon mehrere Jahre pflege und das sehr gut funktioniert.

Ich stelle mir zum Ende des Jahres zwei Fragen:
  • Was möchte ich aus dem letzten Jahr mitnehmen?
  • Was möchte ich mehr machen?

Meine Einladung: Starten Sie das neue Jahr mit Ihrem Team doch mal mit diesen Fragen.
Ihr Team kann diese Fragen ganz persönlich beantworten oder Sie legen den Fokus auf die (Zusammen)-Arbeit.
So verbinden Sie das alte mit dem neuen Jahr und fokussieren darauf, was gut lief!

Haben Sie schon Ihre Team-Weihnachtsfeier geplant?

Was wird es? Ein gemütliches Zusammensein mit selbstgemachten Keksen und Spielen im Besprechungsraum oder eine große Party?

Vielleicht haben Sie ja noch Lust, die Weihnachtsfeier mit einem kleinen Jahresrückblick zu verbinden.
Für diesen Fall habe ich Ihnen heute eine weihnachtliche Retrospektive mitgebracht:

🎄 Die Rentier-Rennen-Retrospektive

Diese Retrospektive nutzt die Metapher eines Rentier-Rennens, um die über das Jahr erreichten Ziele zu feiern und die überwundenen Hindernisse Revue passieren zu lassen.

🦌Vorbereitung

  • Zeichnen Sie auf einem großen Flipchart oder Whiteboard eine Rennstrecke mit Start, Ziel und einigen „Hindernissen“ (z. B. Eisflächen, Schneestürme, Berge).
    Alternativ: Kleben Sie mit Krepp- oder buntem Klebeband eine Rennstrecke auf den Boden – als lange Linie durch den Raum.
  • Legen Sie Post-its in zwei Farben bereit:
    🟩 Grün für Erfolge
    🟥 Rot für Hindernisse

Die Rennstrecke symbolisiert das vergangene Jahr.


🦌 Ablauf

Einstieg (5 Minuten)

Erklären Sie die Metapher:
„Wir sind Rentiere auf einer Rennstrecke. Wo sind wir dieses Jahr langgerannt? Was hat uns angetrieben, was hat uns gebremst?“


Unser Rennen bisher (15–20 Minuten)

Einzelarbeit (10 Minuten):

  • 🟩 Grüne Post-its – „Geschafft!“
    Welche Ziele haben wir erreicht? Wo sind wir besonders gut vorangekommen?
    Regen Sie Ihr Team an, auch vermeintlich kleine Erfolge mit aufzunehmen.
  • 🟥 Rote Post-its – „Eisflächen & Schneestürme“
    Welche Hindernisse haben wir überwunden? Was hat uns ausgebremst?

Anschließend:
Lassen Sie alle ihre Beiträge kurz erläutern und entlang der Rennstrecke platzieren.

Geben Sie Ihrem Team Raum, die Erfolge gemeinsam zu besprechen. Fragen Sie nach: Was war an diesem Erfolg so besonders für dich?


🎁 Abschluss oder Ausblick?

Normalerweise würde an dieser Stelle der Retrospektive der Blick nach vorn folgen: Verabredungen treffen, Verantwortlichkeiten benennen, Maßnahmen ableiten.

Aber: Es ist bald Weihnachten.
Und manchmal ist es auch einfach wichtig, sich selbst auf die Schulter zu klopfen.

Beenden Sie die Retrospektive doch dieses Mal mit einem Dank für die Erfolge und die überwundenen Hindernisse – und machen Sie sich dann auf den Weg zur Weihnachtsfeier.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesem Format und freue mich, wenn sie ein bisschen positive Besinnlichkeit in den Rest des Jahres bringt.

Selbstverantwortung beginnt nicht mit einem Appell

Vor ein paar Monaten habe ich auf LinkedIn eine Umfrage gestartet: Was treibt Führungskräfte in der Teamentwicklung am meisten um?

Das meistgenannte Thema war Verantwortungsübernahme im Team.

Und wie es der Zufall so wollte, war genau das in den folgenden Teamentwicklungen häufig der zentrale Knackpunkt. Es gab viele Ideen, kreative Ansätze, produktive Diskussionen. Aber wenn es an die Umsetzung ging, hieß es oft: „Das ist doch Führungsaufgabe.“
Spätestens bei der Frage „Wer treibt Thema X nach dem Workshop bei euch voran?“ wurde es still. Sehr still.

Die Verantwortung blieb – wie so oft – bei den „Macher*innen“ hängen. Bei denen, die motivieren, klären, anschieben.

Für mich hat sich wieder einmal mein Mantra bestätigt:
Teamentwicklung passiert nicht im Workshop, sie passiert davor und danach.
Und genau dasselbe gilt für Selbstverantwortung. Sie entsteht nicht durch Flipcharts und Moderationskarten, sondern durch kleine Momente im Alltag.

Wenn Sie ein Instrument suchen, mit dem Sie diese kleinen Momente schaffen können, habe ich heute eine wirksame Frage für Sie:

❓“Was brauchst du, damit du losgehen kannst?“❓

Sie wirkt oft stärker als ein Appell an Selbstverantwortung. Weil sie Verantwortung zurückgibt. Weil sie dazu einlädt, innezuhalten und sich selbst Klarheit zu verschaffen. Und weil sie sichtbar macht, ob da wirklich etwas im Weg steht, oder ob es einfach bequemer ist, in der Zuschauerrolle zu bleiben.

Teamdiskussionen ohne Endlosschleife: So geben Sie Verantwortung geschickt zurück

Was wäre, wenn die Person, die Sie in der Diskussion ständig von einer Idee überzeugen wollen, selbst aktiv werden müsste, um überzeugt zu werden?

Klingt verwirrend?
Dann hat der kleine Clickbait wohl funktioniert 😜

Aber mal im Ernst: Bestimmt kennen Sie die Situation. Ihr Team hat eine gute Lösung entwickelt, alle sind bereit, den nächsten Schritt zu gehen und dann kommt immer wieder diese eine Person mit Bedenken. Mal sachlich, mal emotional, aber immer wieder. Und oft sind die Einwände ja auch nicht komplett aus der Luft gegriffen. Also nehmen Sie sie ernst, suchen nach Lösungen, reagieren verständnisvoll. Doch kaum ist ein Punkt geklärt, kommt der nächste.

Das kann ganz schön zermürbend sein und bringt Sie keinen Zentimeter voran.

In solchen Momenten gibt es eine Frage, die ich selbst gerne zehn Jahre früher gehört hätte:

❓„Was brauchst du, damit wir diese Lösung jetzt ausprobieren oder umsetzen können?“❓

Mit dieser Frage geben Sie die Verantwortung zurück. Nicht, weil Sie sich aus der Diskussion stehlen wollen, sondern weil es ab einem gewissen Punkt schlicht nicht Ihre Aufgabe ist, alle Eventualitäten abzufedern. Sie wissen ja gar nicht, ob Ihre gut gemeinten Antworten überhaupt den wunden Punkt treffen. Mit der Frage bekommt die andere Person die Möglichkeit, sich selbst zu sortieren und Klarheit darüber zu gewinnen, was sie eigentlich braucht, um mitzugehen.

Und ja, manchmal braucht es ein bisschen Geduld und die Frage darf ruhig mehr als einmal freundlich gestellt werden. Aber Sie werden sehen: Das kostet deutlich weniger Energie, als sich im Kreis zu drehen.

Übrigens: Die Frage stammt aus dem systemischen Konsensieren, einer Methode, die ich für den Alltag ziemlich anspruchsvoll finde. Die Frage allein erzeugt auch schon viel Wirkung.

Entscheidungen jenseits von A oder B: Wie das Tetralemma neue Perspektiven eröffnet

„Entweder wir führen das neue System jetzt ein – oder wir lassen es.“ „Entweder wir holen uns Hilfe – oder wir lösen es intern.“
„Entweder ich bleibe in diesem Job – oder ich kündige.“

Zwei scheinbar glasklare Optionen. Entscheidung = A oder B.
Und trotzdem keine Entscheidung.

Wenn mir bei der Arbeit mit Klient*innen solche Sätze begegnen, freue ich mich. Denn dann kommt eine meiner Lieblingsmethoden ins Spiel: Das Tetralemma.
Ich habe vor einigen Monaten schonmal einen Post dazu veröffentlicht, aber ich finde so hilfreich, dass ich einfach mal wieder Werbung für diesen einfachen und wirkungsvollen Ansatz machen möchte.

Denn das Dilemma ist nicht das Problem. Das Problem ist die Begrenzung auf zwei Perspektiven.
Und um diese gedankliche Sackgasse aufzulösen, hilft das Tetralemma.
Diese Methode eröffnet vier (oder sogar fünf) Positionen – und damit völlig neue Denk- und Handlungsräume:

1️⃣ Das Eine
2️⃣ Das Andere
3️⃣ Beides
4️⃣ Keines von beidem
5️⃣ Und etwas ganz Anderes

💡Plötzlich entstehen dazwischen Räume:

  • Zwischen „kündigen“ und „bleiben“ liegt vielleicht ein Sabbatical.
  • Zwischen „Hilfe holen“ und „selbst lösen“ liegt vielleicht ein moderierter Austausch.
  • Zwischen „System einführen“ und „alles lassen“ liegt vielleicht ein Prototyp.
Tetralemma

Haben Sie gerade eine Entscheidung, die sich anfühlt wie A oder B? Probieren Sie es aus – mit Stift und Papier. Oder mit mir .